"Das stell ich mir komisch vor, wenn man eines Morgens aufwacht und merkt, dass man tot ist." Mit großen Augen schaute mich mein Vater an, als er diese Worte sprach. Ich lächelte und antwortete: "Ja, das muss wirklich seltsam sein."
Die verschiedenen Seiten der Realität
So skurril diese Frage klingt, so real die Tatsache, dass wir in unserem irdischen Sinne nach unserem Tod gar nicht mehr aufwachen werden, so real war für Papa die Vorstellung, dass er nach dem Sterben irgendwo aufwachen würde. Und er war davon überzeugt, dass es dort wunderschön sein wird.
Darum meinte er auch nach einer langen Pause: "Ich möchte euch ja so gerne erzählen, wie es dort ist, wo ich dann bin. Euch anrufen oder schreiben - aber das wird wohl nicht gehen."
"Nein Papa, das wird nicht gehen." Und ein wenig wunderte ich mich, dass er über einen Anruf nachdachte. Papa hatte es zu Lebzeiten gehasst zu telefonieren.
Gespräche am Sterbebett
Die sieben letzten Tage, die ich bei ihm verbringen durfte, brachten zahlreiche Überraschungen für mich. Viele innige Gespräche, gemeinsames Schweigen, Lachen, Erinnern. In Summe war das in einer Woche mehr gemeinsame Zeit, als in den zwanzig Jahren zuvor. Von der Dichte ganz zu schweigen.
Ich empfinde es als großes Geschenk und als unfassbare Ehre, den letzten Weg meines Vaters, bis zum Ende, an seiner Seite gestanden zu haben.
Wenn der Tod auf der Bettkante sitzt, wird Begegnung wesentlich und wahrhaftig.
Es geschieht Tag für Tag
Jeden Tag sterben Menschen. Jeden Tag sitzen Menschen an Betten, halten Hände, hören zu, versuchen Antworten zu finden. Manchmal kann die Begleitung der Sterbenden zu Hause durch die Familie geleistet werden. Manchmal braucht es dazu Unterstützung von außen, wie etwa durch Hospizhelfer, die Gesellschaft leisten und mit Einfühlungsvermögen auf der letzten Wegstrecke unterstützen und begleiten. Und manchmal ist es einfach nicht möglich die letzte Etappe zu Hause zu gestalten. Dann sind stationäre Hospize, oder Palliativstationen in Krankenhäusern, ein Segen.
Wo es Information und Unterstützung gibt
Solange alles so dahinplätschert im Leben, der Alltag rollt und ausgefüllt ist, machen sich vermutlich die Wenigsten Gedanken über Sterbebegleitung & Co. Ich kann jedoch nur dazu raten, den Tod mitzudenken im Leben. Zum einen lässt er die Kostbarkeit jedes Augenblicks aufstrahlen, zum anderen ist es gut, für den Tag X gerüstet zu sein - für sich selbst und für die Angehörigen.
Dazu gehört Mut, aber es lohnt sich in vielfacher Hinsicht.
Hier zwei Empfehlungen für Quellen hilfreicher Informationen:
Buch: 99 Fragen an den Tod, Droemer
Website: Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung Deutschland
Im Oktober 2025 erscheint mein Buch "Sieben Tage Sterben und ein ganzes Leben". Im Anhang gibt es dort eine umfassende Empfehlungsliste für Literatur und weiterführende Links zum Thema Tod und Sterben.
Wie geht´s Dir mit dem Thema Tod und Sterben? Ich freu mich über Deinen Kommentar!
